Kinderwunsch nach der Sterilisation (des Mannes)
Viele Patienten denken nach ihrer Sterilisation darüber nach, doch noch einmal Vater zu werden. Nach Studien entscheiden sich etwa 1 - 3% aller sterilisierten Männer dafür, die Sterilisation wieder rückgängig machen zu lassen. Die Zeugungsfähigkeit lässt sich in vielen, ja sogar in den meisten Fällen, wiederherstellen. Dies ist selbst vielen Ärzten, die Sterilisationen durchführen, nicht bekannt. Die Sterilisation ist daher nicht so endgültig, wie oftmals dargestellt. Der häufigste Grund für einen erneuten Kinderwunsch ist eine Scheidung oder Trennung, der eine neue Partnerschaft oder Ehe folgt - in unserer Gesellschaft keine seltene Konstellation.

Refertilisierung
Eine Refertilisierungsoperation hat das Ziel, der Samenleiterwege wieder durchgängig zu machen. Die meisten Patienten entschließen sich zu dem Eingriff, weil ein erneuter Kinderwunsch besteht. Es empfiehlt sich, einen Spezialisten zu wählen, der für diese Operation spezielle chirurgische Instrumente, hochfeine Faden- und Nahtmaterialien sowie ein Operationsmikroskop verwendet. Die Nahtmaterialien, die für die mikrochirurgische Refertilisierung Verwendung finden, entsprechen in der Dicke einem Fünftel eines menschlichen Haares.

Erfolgsaussichten

Seit der Einführung mikrochirurgischer Operationstechniken, der ultrafeinen Naht- und Nadelmaterialien sowie der Spezialisierung von Operateuren auf diesen Eingriff haben sich die Erfolgsraten der Refertilisierung dramatisch verbessert. In früheren Jahren waren ein Operationserfolg und eine sich daraus ergebende Schwangerschaft eher ein Glücksfall. Die heutigen Möglichkeiten der mikrochirurgischen Refertilisierung bieten die allerbesten Erfolgsaussichten auf Wiederherstellung der Zeugungsfähigkeit und Erzielung einer Schwangerschaft.

Aussichtsreiches Verfahren
Die aktuellen Studien der spezialisierten Operationszentren zeigen einen positiven Samenerguss nach Vasovasostomie (VVS) in ca. 85 bis 97 % aller operierten Fälle, durchschnittlich 50 % der betroffenen Paare erreichen später eine Schwangerschaft. Verglichen mit allen Alternativverfahren - und insbesondere mit der künstlichen Befruchtung - ist die mikrochirurgische Refertilisierung das aussichtsreichste und mit Abstand kostengünstigste Verfahren, um eine erneute Schwangerschaft zu erreichen. Anzumerken ist, dass es sich bei den erzielten Schwangerschaften um „normale“ Schwangerschaften handelt, das heißt, im Gegensatz zu den künstlichen Befruchtungsverfahren findet sich keine erhöhte Zahl von Risikogeburten (wie zum Beispiel nach Zwillings- oder Drillingsschwangerschaften). Nach einer mikrochirurgischen Tubulovasostomie (TVS) findet sich ein positiver Samenerguss in ca. 65 % der operierten Patienten; die Schwangerschaftsrate nach Tubulovasostomie liegt in den internationalen Studien bei ca. 20 - 30 %. Für das Eintreten einer Schwangerschaft ist natürlich neben der Fruchtbarkeit des Mannes auch die Empfänglichkeit (Fruchtbarkeit) der Partnerin ausschlaggebend.

Kinderwunsch kann sich auch noch nach vielen Jahren erfüllen
Die besten Voraussetzungen bringen Paare mit, die bereits ein gemeinsames Kind haben, das heißt, vor der Sterilisation des Mannes zusammen Eltern geworden sind. In solchen Fällen ergibt sich auch bei einer länger zurückliegenden Sterilisation eine exzellente Prognose. Unabhängig davon benötigt man natürlich kein Medizinstudium, um zu wissen, dass eine junge Frau fruchtbarer und empfänglicher ist, als eine Frau über 40 Jahre. So zeigen die großen Studien, dass die Schwangerschaftsrate auch mit dem Alter der Partnerin abnimmt.

Ein wichtiges Prognosekriterium ist darüber hinaus die Sterilisationsdauer des Patienten (Obstruktionszeit, auch Verschlusszeit). Mehrere internationale Studien weisen gute Operationserfolge auch bei langen Verschlusszeiten nach. Unsere eigenen Erfahrungen legen nahe, dass die Fruchtbarkeitsprognose bei Patienten mit einer mehr als 15 Jahre zurückliegenden Sterilisation zwar abnimmt, aber dass selbst nach so langer Zeit durchaus noch eine realistische Chance auf eine erfolgreiche Refertilisierung besteht. Der bisher längste Sterilisationszeitraum mit erfolgreicher Refertilisierung bei den Patienten von Dr. Petsch liegt bei 30 Jahren! Bei Fällen mit längerer Sterilisationsdauer über 15 Jahre sollte allerdings erwogen werden, eventuell zusätzlich Hodenproben im Rahmen der Refertilisierungsoperation in einer Samenbank einzufrieren (Kryodepot), um im Falle einer unzureichenden Fruchtbarkeit später Material für künstliche Befruchtungsmaßnahmen zur Verfügung zu haben.