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Grundbegriffe

... zur Fruchtbarkeit - Sterilisation und Refertilisierung

Zwingend erforderlich für eine Schwangerschaft bzw. eine Vaterschaft sind Samenzellen (Spermien). Die Spermien enthalten Erbmaterial (die Chromosomen) des Mannes, genauer gesagt einen halben Chromosomensatz.

Interessant: Die Chromosomen der Samenzelle entscheiden über das spätere Geschlecht des Kindes.

Der halbe Chromosomensatz einer Samenzelle ist für die Befruchtung zwingend erforderlich, oder anders gesagt - eine weibliche Eizelle kann nur durch ein Spermium befruchtet werden. Viele Wissenschaftler arbeiten zwar daran, Nachkommenschaft ohne Spermien zu erzeugen (dieses Verfahren nennt man Klonen). Anders als in der Tierheilkunde ist das Klonen bisher beim Menschen jedoch nicht gelungen; solche Versuche an Menschen sind, zumindest in Deutschland, noch verboten. Die Spermien werden in den Hoden (Testis) gebildet. Anders als bei der Frau, die monatlich nur eine Eizelle zur Ausreifung bringt und deren Eizellen schon als Baby in den Eierstöcken angelegt sind, werden die Samenzellen des Mannes in den Hoden ständig neu nachgebildet. Wie könnte es anders sein, denn bei jedem Samenerguss machen sich viele Millionen Spermien auf die Suche nach einer Eizelle. Jede Samenzelle reift im Hoden mehrere Wochen heran. Bei den vielen Millionen Samenzellen, die jeden Tag gebildet werden, ist es nicht verwunderlich, dass dabei nicht alle Samenzellen voll befruchtungsfähig werden. So ist es auch bei einem vollfruchtbaren Mann (fertiler Mann) normal, wenn nur jede fünfte Samenzelle regelrecht gebaut und fortbewegungsfähig ist.

Der Hoden (Testis) erfüllt eine zweite, sehr wichtige Aufgabe, nämlich die Produktion des männlichen Geschlechtshormones Testosteron.

Der Hoden hat also zwei Funktionen:

 - Bildung von Spermien, die beim Samenerguss (Ejakulation) erscheinen.
 - Produktion von Testosteron, welches ins Blut des Mannes abgegeben wird.

Anders als bei der Frau, deren Eierstöcke sich im Inneren ihres Körpers befinden, benötigen die Hoden für eine korrekte Funktion einen etwas kühleren Ort: Die Hoden haben eine „Betriebstemperatur“ von ca. 34°C bis 35°C und sind deshalb außerhalb der Leibeshöhle im Hodensack (Scrotum) untergebracht. Der Körper reguliert automatisch die Temperatur im Hodensack. Alle Männer wissen, dass sich der Hodensack bei Kälte stark zusammenzieht, die Hoden also näher an die 37°C warme Leibeshöhle gebracht werden. Bei Wärme hingegen entspannt sich die Haut und die Muskulatur des Hodensackes, so dass die Hoden sich weiter von der warmen Leibeshöhle entfernen. Dies ist besonders deutlich erkennbar, wenn der Mann Fieber hat.

Das Hodengewebe selbst ist ein Gewirr von kleinen Kanälchen, in deren Wandungen die Samenzellen produziert werden. Durch die Kanälchen wandern die Samenzellen zur Hodenbasis (Rete testis) und werden dort in den Nebenhoden eingeschleust (Epididymis). Der Nebenhoden ist sehr viel kleiner als der Hoden und als fleischiger Strang am Hoden zu tasten. Im Nebenhoden laufen viele Kanälchen zu einem Nebenhodenkanal (Tubulus) zusammen, der stark aufgeschlängelt den eigentlichen Nebenhoden bildet. Der Nebenhodentubulus ist sehr zart und verletzlich; könnte man ihn auseinanderziehen, hätte der Nebenhodentubulus eine Länge von 4 bis 5 Metern.

Der Nebenhodentubulus hat zwei Funktionen - zum einen werden hier Samenzellen gespeichert, zum anderen erlangen die Samenzellen während der Speicherphase im Nebenhoden ihre vollständige Beweglichkeit. Anders als der eher robuste Hoden ist der Nebenhoden relativ verletzlich. Viel häufiger als im Hoden kommt es im Nebenhoden zu Störungen und Entzündungen (Epididymitis). Folge kann sein, dass die Samenzellen nicht mehr vollständig ausreifen und keine volle Beweglichkeit erlangen. Bei starken Entzündungen oder Verletzungen kann der Nebenhodengang (Tubulus) sich durch Narbenbildung auch vollständig verschließen. Der Nebenhodengang (Tubulus) mündet in den Samenleiter (Vas deferens oder Ductus deferens). Nahe am Nebenhoden ist der Samenleiter zunächst noch zart und verläuft stark gewunden, nach 1 bis 2 cm jedoch verläuft der Samenleiter gerade und ist dann deutlich fester und kräftiger.

Der Samenleiter (Vas) verläuft vom Hoden in Richtung Körperhöhle, der Samenleiter verläuft dabei zusammen mit den Blutgefäßen des Hodens, dieser Strang ist von einer dünnen Hülle umschlossen (Samenstranghülle), in der Samenstranghülle verlaufen auch Muskelfasern (Kremastermuskel). Die Kremastermuskeln können durch Verkürzen oder Verlängern die Lage des Hodens im Hodensack verändern und regulieren so unter anderem die Temperatur im Hoden mit.

Der Samenstrang (Funiculus) ist meist etwa so dick wie der kleine Finger des Mannes. In diesem „Kabelstrang“ lässt sich der Samenleiter gut tasten: Während die Muskelanteile, die Samenstranghüllen und die Gefäße eher weich sind, fühlt sich der Samenleiter deutlich fester an. Der Samenleiter hat einen Durchmesser von 2 bis 5 mm. Dies entspricht in etwa der Stärke einer Kugelschreibermine oder der Stärke einer „Ader“ eines kräftigen dreiadrigen Elektrokabels.Der Samenstrang, das heißt die Hodenblutgefäße und der  Samenleiter umhüllt von den Samenstranghüllen, verläuft vom Hoden aufwärts in die Leistenregion. Durch die Muskelschichten des Bauches / der Leiste verläuft der Samenstrang leicht diagonal hindurch. Diesen Kanal nennt man Leistenkanal. Die innere Abdichtung des Leistenkanales zur Eingeweidehöhle des Bauches heißt innerer Leistenring.

Interessant: Leistenbruch (Hernia inguinalis) bedeutet, dass die Abdichtung des Eingeweideraumes des Bauches zum Leistenkanal hin beschädigt ist. Beim Leistenbruch bricht also kein Knochen, sondern die innere Abdichtung des Leistenkanales. Ist diese Abdichtung nicht mehr vollständig, so kann z. B. Darm in den Leistenkanal, sogar bis in den Hodensack rutschen. Dieses kann gefährlich sein, wenn dabei der Darm, der ja Kot vorwärts transportiert, abgeklemmt wird. Ein sogenannter akuter eingeklemmter Leistenbruch ist ein sehr gefährlicher, manchmal lebensbedrohlicher Notfall und wird mit einer sofortigen Notoperation behandelt. Natürlich führt nicht jeder Leistenbruch zu einer Einklemmung, aber es ist sinnvoll, einen Leistenbruch zu beseitigen, damit es nicht zu einer Einklemmung kommen kann. Am inneren Leistenring, also in der Eingeweidehöhle, trennen sich der Verlauf des Samenleiters (Vas) und der Blutgefäße des Hodens. Der Samenleiter verläuft tief nach unten ins Becken und mündet zusammen mit den dort befindlichen Samenbläschen in die Prostata.

Die Prostata ist normalerweise so groß wie eine Walnuss und befindet sich am Ausgang der Blase beziehungsweise am Anfang der Harnröhre. Von außen betrachtet findet sich die Prostata in der Dammregion (unter der Haut zwischen Hodensack und After, beim Radfahren zum Beispiel stütz der vordere Teil des Sattels die Dammregion). Aufgabe der Prostata und der Samenbläschen ist es, den allergrößten Teil der Samenflüssigkeit zu bilden. Beim Samenerguss (Ejakulation) erscheinen meist mehrere Milliliter Ejakulat, aber nur eine geringe Menge davon sind die Samenzellen selbst. Der größte Teil ist die Samenbläschen- und Prostataflüssigkeit, in der die Samenzellen schwimmen und aus der sie sich für einige Zeit ernähren. Wird der Samenleiter verschlossen, zum Beispiel bei einer Sterilisation, so verringert sich die Menge des Ejakulates kaum.

Die Samenzellen nehmen nach ihrer Entstehung im Hoden also einen langen Weg: Durch die Basis des Hodens (Rete testis) in den Nebenhoden und dort in den Nebenhodenkanal (Tubulus). Dieser ist einige Meter lang. Auch der Samenleiter selbst ist relativ lang, vom Nebenhoden bis zum inneren Leistenring ca. 15 cm, dann noch einmal 10 bis 15 cm vom inneren Leistenring bis zur Mündung des Samenleiters in der Prostataregion.

Für Operationen am Samenleiter (Sterilisation, Refertilisierungsoperation) ist der Samenleiter im Verlauf vom Nebenhoden bis zum inneren Leistenring für den Operateur relativ gut erreichbar, am einfachsten in seinem gut tastbaren Verlauf im Samenstrang, knapp oberhalb des Hodens.

Zum Abschluss dieses interessanten Kapitels über die anatomischen Strukturen im Genitaltrakt des Mannes, sollen noch drei wichtige Grundbegriffe erklärt werden.

1. Schneiden / Herausschneiden: Wenn ein Operateur oder Chirurg etwas durchschneidet, so wird in der medizinischen Fachsprache hierfür der Wort -tomie verwendet (vom griech. tom). Wir etwas herausgeschnitten, so verwendet man den Wortteil -ektomie (vom griech. ek = aus, heraus und tom = Schnitt, siehe oben).

Das Durchtrennen des Samenleiters beziehungsweise Herausschneiden eines kleinen Teiles des Samenleiters (Vas) mit dem Ziel der Sterilisation, nennt man also Vas-ektomie. Damit lassen sich viele chirurgische Fachbegriffe verstehen. Die Entfernung des Blinddarmes (Appendix) heißt Append-ektomie; genauso die Entfernung der Milz (Splen) heißt Splen-ektomie usw..

2. Wenn ein Operateur oder Chirurg eine Einmündung oder eine Öffnung herstellt, so wird dies gekennzeichnet durch den Wortteil -stomie. Wenn also nach einer Sterilisation (Vasektomie) die Samenleiterenden (Vas- und Vas) wieder miteinander verbunden werden, so heißt dieses Vasovasostomie, wenn eine Verbindung zwischen dem Nebenhodenkanal (Tubulus) und dem Samenleiter (Vas) hergestellt wird, so heißt dieses Tubulovasostomie.

Interessant: Zum Beispiel ein künstlicher Darmausgang mit Dünndarm (Ileum) heißt Ileostoma, mit Dickdarm (Colon) heißt Colostoma, usw..

Damit kennen Sie zwei wichtige Begriffe der Refertilisierungsoperationen: 

Vasovasostomie, kurz VVS und Tubulovasostomie, kurz TVS.

3. Eine Entzündung wird gekennzeichnet durch den Wortteil -itis. Ist zum Beispiel die Prostata entzündet, nennt man dieses Prostatitis. Ist der Nebenhoden (Epididymis) entzündet, so heißt dies Epididymitis, u.s.w..Damit verstehen Sie schon einen großen Teil der medizinischen Fachwörter. Die Entzündung des Blinddarmes (Appendix siehe oben) heißt Appendizitis, eine Entzündung des Magens (Gaster) heißt Gastritis, usw..

Nach dieser Einführung in die medizinischen Fachbegriffe sehen Sie, dass es gar nicht so schwierig ist, die Medizinersprache zu verstehen. Leider hat es sich historisch so entwickelt, dass in der medizinischen Fachsprache hauptsächlich lateinische und griechische Wörter verwendet werden. Das macht es dem Laien manchmal schwierig, Arztbriefe zu lesen oder Artikel zu verstehen. Sehr vorteilhaft daran ist jedoch, dass diese lateinischen und griechischen Wörter im gesamten Gebiet der westlichen Medizin verbreitet sind und verwendet werden. Für fast alle medizinischen Fachbegriffe gibt es jedoch auch gut verständliche deutsche Worte. Wenn Sie also trotz dieser Einführung in die Ärztesprache Probleme haben, Teile dieses Buches, eines Arztbriefes oder eines Beratungsgespräches bei Ihrem Arzt zu verstehen, so sollten Sie auf jeden Fall nachfragen.


REFERTILISIERUNG: TIPPS FÜR DEN MANN, WIE ALLES GANZ EINFACH ERSCHEINT ...

Die Rückgängigmachung der Sterilisation (mikrochirurgische Refertilisierung oder auch Vasektomie rückgängig) wird im heutigen Sinne seit etwa 40 Jahren durchgeführt. Häufigstes Motiv ist eine neue Partnerschaft, aber auch der Tod eines Kindes oder verbesserte finanzielle Verhältnisse können zu einem erneuten Kinderwunsch führen; etwa 3,5% aller sterilisierten Männer lassen sich wieder refertilisieren, etwa doppelt so viele denken irgendwann darüber nach. Während der Operation werden die verschlossenen Samenleiterenden freigelegt, dann wird die Durchgängigkeit der Stümpfe geprüft. Die Samenleiterenden werden in einer technisch sehr anspruchsvollen Operation unter dem Mikroskop wieder miteinander vernäht

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Sep
2017

Danksagung 30. August 2017

Lieber Dr. Petsch, wir möchten nun auch unsere Geschichte Ihren Patienten erzählen. Wir haben uns letztes Jahr erst kennengelernt und wusste dennoch auf Anhieb, dass wir [...]

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Danksagung 16. August 2017

11 Jahre nach der Vasektomie ging es hier mal zügig mit der Schwangerschaft. Herzlichen Glückwunsch vom ganzen Team und danke für die schöne [...]

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