News

  
 

Aktuelle Infos von www.andrologen.info

Metabolisches Syndrom: 
Welchen Stellenwert hat der Bauchumfang?


In den letzten Jahren wurde die enorme Bedeutung des metabolischen Syndroms als Risikofaktor für die Mortalität aufgrund kardiovaskulärer Krankheiten aber für die Gesamtsterblichkeit erkannt. Die Kriterien zur Definition des metabolischen Syndroms wurden zunehmend stringenter gefaßt. Die jüngste Änderung der internationalen Diabetes-Föderation (IDF) orientiert sich verstärkt am Bauchumfang. Anhand eines größeren Patientenkollektivs wurde der prädiktorische Wert der verschiedenen Definitionen des metabolischen Syndroms für das Mortalitätsrisiko miteinander verglichen (Katzmarzyk PT, et al. 2006): 

Entsprechend der unlängst revidierten Definition des National Cholesterol Education Program (NCEP) liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn drei oder mehr der folgenden Bedingungen erfüllt sind: 
Nüchternblutzucker ≥5,6 mmol/l;
Serum-Triglyzeride ≥1,7 mmol/l;
Serum-HDL ≤1 mmol/l;
Blutdruck ≥130/85 mmHg bzw. Medikation;
Bauchumfang bei Männern >102 cm.
In der nicht revidierten Form der NCEP-Definition galt ein Glukosegrenzwert von ≥6,1 mmol/l.

Der Konsensus der IDF sieht eine deutliche Herabsetzung des Schwellenwertes für den Bauchumfang von 102 auf 94 cm vor. Letzteres wird sogar zum obligatorischen Kriterium, d.h. ein metabolisches Syndrom liegt nur vor, wenn der Bauchumfang ≥94 cm ist und zwei oder mehr weitere Bedingungen nach NCEP erfüllt sind. 

Das Patientenkollektiv umfaßte 20.789 Männer im Alter von 20 bis 83 Jahren. Endpunkte der Studie waren die kardiovaskuläre und die Gesamtmortalität während eines Follow-up von mehr als 11,4 Jahren. Innerhalb dieses Zeitraums traten 632 Todesfälle auf, von denen 213 durch kardiovaskuläre Krankheiten verursacht waren. 

Bei Anwendung der IDF-Kriterien steigt die Inzidenz des metabolischen Syndroms deutlich an.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen, daß Männer mit einem metabolischen Syndrom sowohl ein höheres Gesamt- als auch kardiovaskulär verursachtes Mortalitätsrisiko haben. 

Anhand der IDF-Kriterien des metabolischen Syndroms läßt sich ein größerer Bevölkerungsanteil mit erhöhtem Mortalitätsrisiko erkennen als mit den NCEP-Kriterien. Der Anteil der Männer im Studienkollektiv, bei denen ein metabolisches Syndrom diagnostiziert wurde, war bei Anwendung der NCEP-, der revidierten NCEP- und der IDF-Kriterien 19,7 %, 27 % bzw. 30 %. Allerdings waren die prädiktiven Fähigkeiten der IDF- und der NCEP-Kriterien vergleichbar. 

Die kardiovaskulär verursachte Mortalität zeigte ein deutliches Ansteigen mit zunehmenden Bauchumfang-Kategorien (<94, 94-102, >102 cm) bei Männern mit zumindest zwei weiteren Risikofaktoren des metabolischen Syndroms. 

Aufgrund des von der internationalen Diabetes-Föderation verschärften Bauchumfang-Kriteriums für das metabolische Syndrom lassen sich vermehrt Patienten mit erhöhtem Mortalitätsrisiko erkennen. 

Männer mit einem metabolischen Syndrom haben ein deutlich erhöhtes Mortalitätsrisiko insbesondere aufgrund kardiovaskulärer Krankheiten. Vorsicht ist allerdings geboten, blind auf das ≥94-cm-Bauchumfang-Kriterium zu vertrauen, da es auch Patientengruppen gibt, die bei einem geringeren Bauchumfang multiple Risikofaktoren aufweisen und mit einem hohen Mortalitätsrisiko behaftet sind. 

Katzmarzyk PT, Janssen I, Ross R, et al. 2006. The importance of waist circumference in the definition of metabolic syndrome. Diabetes Care 29:404-409.